Parfum-Enthusiasten leben ja - wie viele special-interest-Gruppen - ein bisschen in ihrer eigenen Bubble. Gleichzeitig setzen wir im Gespräch mit anderen aber oft voraus, dass unser Gegenüber sich genauso gut in dem Thema auskennt, wie wir selbst. Normalerweise versuche ich ja, nicht in diese Falle zu tappen. Und dennoch gehe ich davon aus, dass es 2025 zum Allgemeinwissen gehört, dass inzwischen alle namhaften Dufthersteller in ihren relevanten Duftlinien mindestens ein Elixier platzieren, manche sogar mehrere - looking at you Jean Paul Gaultier mit „Le Male Elixir“ und „Le Male Elixir Absolu“! Wer das nicht glauben möchte, kann ganz einfach bei Notino „Elixir“ in die Suchmaske eintippen - viel Spaß beim Durchscrollen!
Seit 2024 ist nun Rasasi mit dem „Hawas Elixir“ ebenfalls in diesem Club vertreten. Die „Hawas“-Linie von Rasasi ist insgesamt nicht mehr ganz jung - das erste „Hawas for Him“, damals noch ohne weiteren Namenszusatz, kam bereits 2015 auf den Markt, flankiert von „Hawas for Her“ und dann folgte relativ lange… nichts. Und dann ging es Schlag auf Schlag, in 2023 kam dann die frischere Variante des Originals, nämlich „Hawas Ice“, dicht gefolgt von „Hawas Elixir“ (2024), „Hawas Fire“, „Hawas Black“ und „Hawas Pink“ in 2025.
Damit steht „Hawas Elixir“ zeitlich in der Mitte der Releases und man merkt bei diesem Duft vor allem zweierlei: Erstens, dass Rasasi ausgesprochen gute Düfte produziert und weiß, was gut bei Ihren Kunden und Kundinnen ankommt. Und zweitens, dass sie sich sehr gut darauf verstehen, Trends auf dem Parfum-Markt zu erkennen und diese zu nutzen. Das ist bereits bei der Präsentation von „Hawas Elixir“ sichtbar und ich breche hier mit meiner Gewohnheit, Flakon und Verpackung in meinen Reviews zu vernachlässigen. Die Präsentation von „Hawas Elixir“ ist laut, glänzend und schreit um Aufmerksamkeit - Zurückhaltung ist hier nicht angesagt. Die Umverpackung ist großteils in Gold gehalten, nur unterbrochen vom goldenen „Hawas“-Schriftzug inklusive arabischer Schreibweise auf einem schwarzen Backdrop auf einem hinterlegten Schlangenmuster. Der Flakon ist in der „Hawas“-Typischen Form gehalten, inclusive Cap völlig in Gold gehalten. Auf der Oberseite der Cap findet sich wiederum der Rasasi-Schriftzug und die Cap ist - auch „Hawas“-typisch stilisiert von einer Schlange umschlungen. Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig und der einzige Wermutstropfen der Präsentation ist, dass der Flanker ein Fingerabdruckmagnet erster Güte ist - ist der Flakon nach dem Auspacken noch blank wie ein Spiegel, sieht er sehr schnell verschmiert und ein klein wenig ungepflegt aus, sobald man ihn einmal in der Hand hatte.
Und wonach riecht „Hawas Elixir“ nun eigentlich? Nun, von wem dieser Duft seine Inspiration bezogen hat, ist ab dem ersten Sprühen ohne den geringsten Zweifel glasklar: Es handelt sich hierbei um einen Duftzwilling von Jean Paul Gautiers „Le Male Elixir“ und das in herausragender Qualität. Ich gehe soweit, zu behaupten, dass ein Großteil aller Menschen bei einem Blindtest den Unterschied zwischen beiden Düften nicht erkennen würden. Natürlich gibt es Unterschiede. Und wenn man beide Düfte zur Verfügung hat und diese side-by-side vergleicht, kann man die auch ausmachen. Ohne den direkten Vergleich könnte man aber ohne weiteres jedem weismachen, dass man das Original aufgelegt hätte. Das Opening von „Hawas Elixir“ ist süß, ein wenig frisch und verführerisch mit Artemisia, Minze und Bergamotte. Ich nehme auch relativ rasch den Lavendel und Benzoe aus der Herznote wahr. Was ich selbst so gut wie gar nicht merke, ist die Schokoladennote, die ebenfalls als Herznote angegeben ist. Im Dry-Down kommen Vanille und Tonkabohne mehr in den Vordergrund. Hier unterscheidet sich „Hawas Elixir“ von seinem Vorbild, bei dem im Dry-Down eine recht präsente Honignote auftritt, wohingegen bei Rasasi mehr eine intensive Vanille herauskommt.
Alles in allem ist dies ein nahezu perfekter Duft für alle, die süße Düfte auf Vani...